Vom 24.06.2016 -- Anna-Lena Herbert
Warum Journalisten gute Schuhe brauchen

Ich liebe meine schwarzen Stiefeletten. Heiß und innig! Manch einer mag eine solche Zuneigungsbekundung an die eigenen Schuhe für übertrieben halten. Wer schon einmal von einem Katholikentag berichtet hat, sicher nicht. Denn der weiß: Gute Schuhe sind einfach das A und O wenn man von Podiumsdiskussion zu Gottesdienst, über Werkstatt und weiter zum Pressezentrum durch die Straßen eilt – und dabei noch den ein oder anderen Umweg auf der Jagd nach dem noch besseren Foto macht. Ohne bequeme Schuhe geht da gar nichts.

Flache schwarze Stiefeletten sind – nicht nur dann – die perfekten Journalistenschuhe. Eigentlich hatte ich meine Lieblingstreter ursprünglich für den Reitunterricht gekauft, dann aber auf Westernreiten umgesattelt. (Die einzigen Schuhe, die ich kenne, die noch bequemer sind als meine Stiefeletten, sind übrigens Westernstiefel – aber damit traue ich mich dann doch nicht in die Redaktion). Meiner Meinung nach sind meine Stiefeletten, anders als ebenfalls sehr bequemen Turnschuhe, für so gut wie jeden Anlass geeignet – ob leger oder festlich. Gut, für die ganz festlichen Termine, zum Beispiel beim Besuch im Vatikan, sollte Frau dann doch ein paar schicke Pumps parat haben. Aber ansonsten gilt bei mir: Rein in die schwarzen Lieblingstreter und los geht’s...

Was ich mache, wenn meine liebsten Redaktionsschuhe trotz guter Pflege mal nicht mehr nur mit einer neuen Sohle repariert werden können, weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht sollte ich den kleinen Laden, in dem ich sie vor zwei Jahren gekauft habe, stürmen und alle vorrätigen Schuhe desselben Modells in der passenden Größe aufkaufen?

Oder ich ziehe einfach meine schwarzen italienischen Gummistiefel an. Ganz im Unterschied zu uns Deutschen wissen die Italiener nämlich wie man schicke Gummistiefel produziert. Dann könnte ich auch endlich das Foto von einer kleinen Brücke für meine Redaktion machen. Die passende Perspektive kann ich nur von der Flussmitte aus erreichen – und wasserdicht sind meine Stiefeletten leider nicht.

Was ich sicher nie mehr leichtfertig anziehen werde, sind Ballerinas – egal wie hoch die Sonne scheint. Als freie Mitarbeiterin hatte ich mich damit mal in eine Lokalredaktion getraut. Ein Fehler! Das Telefon klingelte und ich landete bei einem, im Hinblick auf meine Fußbekleidung an diesem Tag denkbar unpassenden Termin: Betonmöbelgießen – der praktische Teil. Was ich damals gelernt habe? Dass jeder (Lokal-)Journalist immer auch ein Paar Gummistiefel im Auto haben sollte. Oder zumindest schwarze flache Stiefeletten!

(Der Leser sollte nun aber nicht davon ausgehen, dass die Autorin dieser Zeilen nur noch schwarze Stiefeletten und Gummistiefel besitzt. Abseits des Journalismus ist auch ihr Schuhschrank leider viel zu klein.)

Foto: Anna-Lena Herbert