Vom 26.04.2016 -- Anne-Kathrin Ho...
Die virtuelle Volontärin oder wie ich Dinge sah, die ich gar nicht sehen wollte
VR-Bild auf den Mainzer Dom

Ich habe Höhenangst. Das ist kein Geheimnis, eigentlich eher das Gegenteil davon. Denn bei jeder Gelegenheit, bei der ich irgendeine Höhe überwinden oder gar aushalten muss, versetzt es mich in Panik und meine Mitmenschen in Genervtheit. An sich komme ich gut zurecht damit. Ich versuche Abgründe und Höhen über drei Meter zu vermeiden oder meine Angst vorzuschieben, oft komme ich damit durch. Nur manchmal funktioniert das nicht. Ja, ich verpasse dadurch einmalige Gelegenheiten. Wie die hoch zur Mainzer Domspitze zu fahren solange die restauriert wird, denn sonst gibt es keine Gelegenheit für diesen Blick. Jetzt schon. Das Bistum Mainz bietet einen virtuellen Rundgang durch den Dom, hoch zur Spitze und natürlich zum Rosenmontagszug – „Helau“. Und ich bekomme das zweifelhafte Vergnügen zu den ersten Testern der funktionsfertigen App zu werden. Virtual Reality auf dem Büro-Stuhl. Gesteuert wird durch Nicken und fixieren – ich als kleiner Möchtegern-Nerd denke nur noch (endschuldigt den Ausdruck, aber so denke ich nunmal): „Geiler Scheiß“. Und ehe ich das richtig realisiert habe stehe ich an dem Gerüst des Grauens. Halt, das wollte ich nicht sehen. Meine Hände werden schwitzig und das obwohl ich genau weiß, dass ich wenn ich herunterstürzen sollte maximal einen halben Meter in die Tiefe auf weichem Teppichboden falle. Der Aufzug knirscht und quietscht. Ich konzentriere mich auf die Weite. Links von mir geht es schier unendlich weiter hoch. Rechts fließt der Rhein, so als wäre nichts gewesen. „Man, Mainz ist echt grün.“ „Versuch mal ein Standbild zu erzeugen“, wird mir geraten. Ich versuche es, drehe den Kopf nach links und rechts, das Bild dreht sich mit, Immer neue Winkel tauchen auf. Nach unten zu sehen, versuche ich zu vermeiden. Aber es hilft nichts. Ich schaue nach unten und sehe…zwischen meinen Füßen den Abgrund. Und es geht weit runter. Ich schlucke und höre meine Kollegen. Irgendwie surreal. Als ich die Brille abziehe, muss ich blinzeln. Es ist doch ganz schön hell auf einmal. Mein Ausflug als virtuelle Volontärin ist vorbei – Zeit, das erlebte journalistengerecht festzuhalten.