Vom 20.04.2016 -- Theresa Meier
Außergewöhnlich aktiv

Ist es ein Furcht einflößender Gladiatorenkampf oder steckt vielleicht doch mehr hinter der so brutal erscheinenden Sportart Jugger?

Sportliche Gewaltverherrlichung?

Wenn es heißt 3,2,1 Jugger und zehn Spieler mit selbstgebastelten Stäben und Ketten aufeinander losstürmen, mag der Eindruck entstehen, es handle sich um eine legitimierte Form von gewalthaltigen Online-Rollenspielen im realen Leben. Auch die Grundlage dieser Sportart, die auf einem brutalen Science-Fiction beladenen Endzeitfilm beruht, kann voreilig zu der Wahrnehmung verleiten, dass, unter dem Deckmantel des Sports, bewusst Gewaltbereitschaft gefördert wird. Jugger, so scheint es, knüpft an die freizeitlichen Aktivitäten von Jugendlichen hinsichtlich virtueller Spielformen an. Diese Verbindung darf aber nicht automatisch zu einer undifferenzierten und negativen Verallgemeinerung führen.

Ohne Teamplay läuft nichts

Die jeweiligen Landessportbünde geben ein klares Reglement vor, das seinen Fokus unmissverständlich auf den sportlichen Aspekt legt. Dieser wird durch sozial wertvolle Komponenten erweitert. Jeder Spieler ist ein wichtiger Teil des Teams, der mit seiner individuellen Aufgabe gleichermaßen für einen erfolgreichen Spielverlauf verantwortlich ist. Wie es häufig der Fall im Fußball ist, kann beim Juggern nicht eine Person das Geschehen dominieren. Letztendlich können nur Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn und eine funktionierende Kommunikation untereinander die Mannschaft zum Gewinn führen. Außerdem werden taktische Angriffs- und Verteidigungsmechanismen erlernt, die lediglich im Rahmen der Sportart angewendet werden.

Jugger-Schulstunde

Diese Disziplin hat nicht ohne Grund ihren Weg auf den Lehrplan verschiedener Bildungsanstalten in Deutschland gefunden. Die Kinder und Jugendlichen lernen auf spielerische Art, Regeln einzuhalten, entwickeln einen starken Teamgeist und können, wenn entsprechendes Potential vorliegt, kontrolliert Aggressionen abbauen. Demzufolge kann sich Jugger zugunsten einer sozialisierenden Förderung der Mitglieder Geltung verschaffen.

Wenn es nicht der homo ludens, der spielende Mensch ist, der nach dem Kulturhistoriker Johan Huizinga seine sozialen Fähigkeiten im Rahmen des Spiels ausbilden kann, wer ist es dann?

Foto: dpa (David Ebener)