Vom 23.03.2016 -- Samuel Dekempe
Je suis Fritjes
Quelle: Twitter Jean-Manuel Tétris @Canalha034

Belgien. Ein kleines unscheinbares Land, von dem vieler meiner Freunde noch nicht einmal wussten, dass es am Meer liegt. Das Land aus dem mein Vater stammt, in dem ein Großteil meiner Verwandtschaft lebt und wo es die besten Pommes der Welt gibt. Ein Freund meinte einmal, dass Bern die Hauptstadt Belgiens sei. Nein, das ist Brüssel. Die Stadt, die nun im Mittelpunkt des Terrors steht.

Im November hatte ich hier meine Gedanken zur den Anschlägen in Paris aufgeschrieben. Aber dieses Mal ist alles irgendwie anders. Es kehrt Routine ein: Der Facebook Safety Check wird schneller freigeschaltet, das Brandenburger Tor und der Eiffelturm erstrahlen in den belgischen Nationalfarben, Künstler fassen auch dieses Mal das Unfassbare in Bilder – außer die Profilbilder in den sozialen Netzwerken, die wechseln dieses Mal nicht von Alltag auf „zwaart, geel, rood“.

Eines ist aber neu: Der Trotz mit dem die Menschen reagieren. Unter dem Hashtag #aufdieliebe wird mit einem Bier Anteil genommen, Manneken Pis, das Brüsseler Wahrzeichen, entwaffnet den Terrorismus und die Sensationsgier scheint dem Protest zu weichen.

Viele Terrorismus-„Experten“ halten dieses Mal still. Vielleicht ist es die Sprachlosigkeit, dass nach den Pariser Anschlägen wieder so schnell die Bomben explodierten. Vielleicht ist es aber auch die Einsicht, dass man die Terrorangst nicht durch Analysen und Mutmaßungen besiegen kann, vielleicht aber durch Mut, Trotz und Humor: Je suis Fritjes. Met mayonaise en mussels!