Vom 21.03.2016 -- Linda Bößing
40 Tage ohne Tier

Jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit überlege ich mir, worauf ich verzichten könnte. Es soll nicht unmöglich sein, aber ein bisschen wehtun soll es natürlich schon. In diesem Jahr kam die Inspiration von meiner Recherchearbeit fürs ifp. Darin soll es um Vegetarismus und Veganismus und eine theologische Auseinandersetzung damit gehen. Also warum nicht mal selber ausprobieren, damit ich mich später umso besser in mögliche Protagonisten hineinversetzen kann.

Seit rund 35 Tagen heißt es für mich nun also: kein Frühstücksei, keine Spagetti Bolognese, kein Käsekuchen. Auch kein Schluck Milch im überlebensnotwendigen Kaffee? Wurde durch Soja-/ Reis-/ Macadamia-/Cashew-Milch (ja, gibt es alles) ersetzt. Und auch keine romantische Stimmung mit Kerzen (enthalten ja oft Bienenwachs)? Schminken ohne Pinsel (könnte ja Tierhaar sein)? Kein Feierabendbier (der Etikett-Kleber ist oft tierischen Ursprungs)? Na ja, da will ich nicht päpstlicher sein als der Papst. Was die Nahrungsmittel angeht halte ich es nach dem Motto: Was die Zutatenliste nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Jetzt ist die Fastenzeit schon fast überstanden. Was ich in diesen Tagen gelernt habe? Zielsicher in jedem Supermarkt der Stadt das Regal mit der Sojamilch zu finden. Dass man ganz ohne Milch, Eier und Butter die (laut Mitbewohner) leckersten Muffins der Welt backen kann. Dass veganer Scheibenkäse so mittel und veganer Frischkäse furchtbar schmeckt. Dass pflanzliche Milch im Kaffee flockt und aussieht, wie schlechtgewordene Kuhmilch. Und manchmal auch so schmeckt.

Der Benediktiner-Bruder Antonius Pfeil sagte mal, er findet fasten „gut und sinnvoll, wenn der Verzicht sichtbar einem anderen zugute kommt.“ Das finde ich auch! Und ich glaube, es ist das erste Mal, dass mein Fasten-Verzicht nicht nur auf mich selbst bezogen ist. Massentierhaltung ist aus ökologischer und ethischer Sicht ein riesiges Problem. Tiere werden ausgebeutet und gequält. Und das nicht nur für die Fleischproduktion. Daran ändern sicherlich auch meine 40 Tage Verzicht wenig. Aber sich bewusst werden über das eigene Ernährungsverhalten, sich fragen, ob es wirklich fünf Mal die Woche das Fleisch für 1,99 € vom Discounter sein muss, das ist, finde ich, ein Schritt, den jeder tun kann. Da gibt es keine Ausreden! Zu welchem Schluss man kommt, das muss dann jeder selbst entscheiden.

Ich gebe es zu, während ich hier sitze und meine Möhrchen knabbere, freue ich mich heimlich ein bisschen darauf, nächste Woche in eine schöne Käsestulle zu beißen. Aber leid bin ich das Thema Veganismus trotzdem nicht. Zum Glück, denn ich muss ja noch eine ganze Recherchearbeit dazu schreiben.