Vom 29.07.2015 -- Stefanie Rothermel
Leere im Kopf
Wenn auf dem Blatt nichts als ein großes Fragezeichen steht: Schreibblockade.

Ich werde jetzt eine super intelligente, geistreiche, witzige, vor Ironie strotzende Glosse schreiben. Ich hab das drauf. Glosse schreiben? Pah, das ist doch eine meiner leichtesten Übungen. Ich bin die Ironie in Person. Langeweile hörst du mich? Ich lach dir ins Gesicht!

Super, läuft doch! Schon 260 Zeichen geschafft. Gäbe es da nicht ein Problem: diese verdammte Schreibblockade! Würde ich jetzt nach draußen gehen, anstatt mich hier in meinem eigenen Selbstmitleid zu baden, und 100 Menschen fragen, welche Eigenschaften sie einem Journalisten zuschreiben würden, dann bekäme ich vermutlich die folgenden Antworten: kreativ, intelligent, wortgewandt, versiert, und und und. „Hiiiier, iiiich“, möchte ich rufen. Aber ich will viel, wenn der Tag lang ist und zwischen Wollen und Tun liegen manchmal Welten. Warum zur Hölle bringe ich einfach nichts zustande? Blockade im Kopf? Blockade in den Fingern? Oder bin ich etwa einfach nicht lustig? Scheiße! Wie frustrierend ist das eigentlich?

Und es ist doch wirklich nicht zu viel verlangt: Einmal aus den Kollegen herausragen, was Gutes abliefern und nebenbei noch den Chef beeindrucken.  Und 1.200 Zeichen sind gar nichts, das kann ja wohl jeder. Außer ich. Apropos Zeichen: Hey, ich hab schon 1.289 – in Worten: Eintausendzweihundertneunundachzig – juhu! Durchgequält. Das alles ist zwar Käse, aber was soll’s? Und ich sag’s euch, wie’s ist: Ich weiß, ich kann das besser. Aber hier könnte auch eure Glosse stehen. Und auch ihr könnt nicht immer alles haben, was ihr gerne hättet. Ausgleichende Gerechtigkeit nennt man das.