Vom 14.09.2018 -- Melanie Ploch
Ruhe am Wochenende oder so ähnlich
Idylle.

Es heißt ja, das Wochenende ist zum Ausruhen da. Einmal die Seele baumeln lassen und den Volo-Alltag vergessen. Am besten mit einem schönen Schmöker in der Hand, der Quarkmaske im Gesicht und Gurkenscheibchen auf den Augen (wie auch immer man so lesen soll), im Hintergrund laufen die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi, zwei Vögel zwitschern freudig auf der Fensterbank.

STOP! Genau so läuft‘s nicht ab! Niemals! Schon Wochen im Voraus ist mein Kalender am Wochenende voll. „Wann können wir mal wieder zum Chinesen essen gehen?“ beantworte ich meistens damit, dass ich wortlos mein Handy herauskrame und in meinem Kalender nachschaue: „Also, nächste Woche ist von Samstag bis Montag Schützenfest, danach das Wochenende ist das ganze Wochenende Kegeltour, und dann fahren wir mit der Landjugend weg.“ Augenrollen gemischt mit einem Lachen von meinem Gegenüber.

Warum es mit Terminen am Wochenende bei mir schlecht aussieht, lässt sich aber einfach erklären. Denn diese Tage laufen meistens wie folgt ab: Freitag etwa gegen 16 Uhr Feierabend, ab zum Bahnhof, rein in den Zug in Richtung Heimat. Zuhause angekommen – mittlerweile ist es etwa 18 bis 19 Uhr – schnell die Zähne putzen, rein in den silbernen Kleinwagen, Freunde aus dem Dorf und den Bauernschaften abholen, ab in ein nettes Café in der Stadt und sich auf die Feier am nächsten Abend freuen, auf dem Rückweg die interne Spotify-Playlist anmachen, laut trällern, bis jede Person wieder zu Hause abgesetzt wurde. Ab ins Bett.

Am nächsten Morgen einigermaßen ausschlafen, los ins Pfarrzentrum für eine Aktivität der Messdiener (Ehrenamt ist das A und O auf dem Dorf), nach Hause, zu spät Mittag essen, Kegelshirt an und ab zum Kegeln. Dabei nur selten alle Neune, aber meistens viele Gossen versenken, los zu irgendeiner Landjugend-Party. Von dort in den frühen Morgenstunden zum örtlichen Bäcker leckere Schinkenschleifen verzehren. Ab ins Bett.

Sonntagmorgen

puh…
am besten gaaaanz laaaangsam
und NICHT ZU LAUT.

Irgendwann geht es wieder. Blick aufs Handy, mit den Freunden abklären, wann wir uns in irgendeinem Lokal treffen, um den gestrigen Abend Revue passieren zu lassen. Nach einigen Stunden rein in den schwarzen Kleinwagen einer Freundin, los zum Schnellrestaurant, dort länger sitzen als geplant, weil der gestrige Abend spannend war, wieder nach Hause – mittlerweile klappt auch wieder das Trällern bei der Autofahrt. Zu Hause angekommen, das aufholen, was eigentlich am ganzen Wochenende gemacht werden sollte: Buch raus, Quarkmaske ins Gesicht, Vivaldi an, Katze miaut freudig auf der Fensterbank.