Vom 23.03.2016 -- Sabine Winkler
„Spotlight“ - Schreiben oder Schweigen?
Bildquelle: Paramount

 

Verdattert verlasse ich den Kinosaal. Der Film „Spotlight“ hat mich sprachlos gemacht. So viele Fragen, so viel Suche.

Ein Film beruhend auf Tatsachen

Journalisten, die zu einer Vielzahl von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche recherchieren und letztlich die Missbrauchsdebatte in Gang gestoßen haben. Für ihre Rechercheleistung haben die echten Journalisten den Pulitzer Preis erhalten hat.

Und in meinem Kopf tobt es:

Was wenn das gleiche jetzt erst passieren würde, vor meiner Nase? Wie würde ich handeln? Würde ich schweigen? Oder schreiben? Wie sieht es in meiner Redaktion aus? Könnte ich das hier? Dürfte ich das? Sollte ich das? Solche Themen müssten doch auch von uns beleuchtet werden oder nicht? Dürfen wir das überhaupt unserem Arbeitgeber (in letzter Instanz ist das die Kirche) wirklich antun? Ihm sozusagen ans Bein pinkeln? Kann es passieren, dass ich dann meinen Job los bin? Und was ist dann mit der Ver-Antwort-ung?

Ich bin Volontärin in einer kirchlichen Radio-Redaktion. Wahrscheinlich wäre das Bein-Nässen nicht so klug.

Nein, das geht nicht

Meine Fragen werden aber auch schon andernorts gestellt. So stellt Christian Modehn im „Religionsphilosophischen Salon“ die Fragen:

„Gibt es heute überhaupt Recherche-Teams unter Journalistinnen und Journalisten, die für kirchliche Medien arbeiten? (…) Wollen die Herausgeber, also die Kirchenleitungen, überhaupt investigativen Journalismus? (...) Nein, investigativen Journalismus gibt es in kirchen-abhängigen Medien nicht, zumindest nicht in Deutschland.“[1]

 

Zum Glück keine Zensur

Was mich angeht, so muss ich festhalten, dass ich in meiner Redaktion bislang noch keine Zensur bei einer Veröffentlichung erlebt habe. Wenn ich in meinen Beiträgen Kritik an der Kirche übe, dann ist es mein Job nicht nur Belege zu sammeln, sondern auch immer beide Seiten zu hören. Wenn sich dann niemand äußern möchte, dann ist das auch ein Statement, was dann auch so kommuniziert wird. Und das können dann wiederum andere Kollegen interpretieren und daran weiterarbeiten.

Die Fragen werde ich mir wahrscheinlich erst beantworten können, wenn es denn mal wirklich brennt. Bis dahin lautet aber eine immer wiederkehrende Frage: Für wen schreibe ich bzw. wer ist meine Zielgruppe?

 

 

Zum Film:

Ein vierköpfiges Journalistenteam, das „Spotlight“-Team der Tageszeitung „Boston Globe“, recherchiert in einem Missbrauchsfall in der katholischen Kirche. Was zunächst wie ein Einzelfall aussieht, wird jedoch schnell eine größere Sache: Offensichtlich hat die Erzdiözese jahrelang mehrere Fälle von Kindesmissbrauch vertuscht.

„Ich weiß es gibt Dinge, die Sie mir nicht sagen dürfen. “

Die Journalisten lassen nicht locker. Jedem neuen Hinweis wird nachgegangen, jede Hürde wird überwunden. Auch wenn sich Betroffene und Verantwortliche drücken und auch, wenn es dabei um das Grundvertrauen in die Kirche geht. Das Team lässt nicht locker, bis die Wahrheit in konkreten Beweisen auf dem Tisch liegt. Erst dann wird veröffentlicht.

„Aber ich weiß auch, hier gibt es eine Story von der jeder hören wird!“

Kinotrailer Spotlight