Vom 20.12.2018 -- Sarah Schött
Zwischen Technik und Tränen
Kamera im Schnee

Da man als Journalist heutzutage, wenn man sich irgendwie durchsetzen will, am besten eine eierlegende Wollmilchsau sein sollte, war es nach dem Radiokurs für uns Printvolos Zeit für den VJ-Kurs. „Ich bin VJ“ hört sich zwar super an, bedeutet im Endeffekt aber erstmal nur, dass man alle möglichen Jobs selber macht: Redakteur, Kameramann, Cutter. Hat den Nachteil, dass man niemand anderem als sich selbst die Schuld in die Schuhe schieben kann, wenn irgendwas schiefläuft.

Aber von Anfang. Mike, Monika, Ingo und Tobias haben sich wirklich alle erdenkliche Mühe gegeben, sechs Volos aus V17 für die VJ-Sache zu begeistern. Dass wir dabei aber in fünf Tagen Dinge lernen sollen, für die andere Leute zwei bis drei Jahre Ausbildung machen, stimmte uns von Anfang an eher skeptisch. Mit der Kamera und dem Filmen gingen wir Digital Natives ja noch mit, schließlich drehen wir alle Nase lang Handyvideos. Kameras sind da auch nix anderes, nur mit mehr Knöpfen, deren Bedeutung man unterschätzen kann. Die Sache mit der richtigen Belichtung war schon der nächste Schwierigkeitsgrad. Als dann auch noch Ton und mit dem Ton noch mehr Kabel dazukamen, war der erste Punkt der Überforderung fast erreicht. Aber so leicht lässt man sich als Volo ja nicht unterkriegen. Ein bisschen Übung an den Mitvolos, alles top. Und dann läuft man los, mutterseelenallein, bepackt mit Kamerarucksack und Stativ, und sieht aus, als würde man acht Wochen pilgern gehen. Beim Protagonisten angekommen, muss man dann tun, als hätte man Ahnung, man will ja wenigstens ein bisschen professionell und nicht ganz Banane wirken. Hat uns ja auch keiner gesagt, dass unsere Protagonisten später nicht so geduldig sein und so ruhig halten würden wie unsere Kollegen. Aber gut. Alle sechs kamen von ihren Terminen mit irgendwie brauchbarem Material zurück. Geschafft, das schlimmste ist vorbei - dachten wir zumindest.

Dann gingen die Probleme aber erst richtig los. Eigentlich hätte man sich ja schon vor dem Dreh eine Geschichte überlegen sollen. Das haben wir in unserem jugendlichen Leichtsinn eventuell etwas vernachlässigt. Mike hatte uns zwar extra nochmal definiert, was eine Geschichte eigentlich ist (Zwei Hunde – ein Knochen), aber bei Themen wie Yoga, Friedhof oder Buchbinderei ist das mit den Konflikten so eine Sache. Daher hatten natürlich die wenigsten schon beim Dreh eine klare Geschichte vor Augen. Im Nachhinein war uns dann auch klar, dass uns das wohl nie wieder passieren würde. Hinterher ist man immer schlauer. So hieß es eben nochmal ordentlich Gedanken machen. Nachdem wir alle einigermaßen wussten, was wir der Welt da draußen mit unseren Filmen mitteilen wollten, kam das mitunter größte Problem: Der Schnitt. Und der war leider mehr, als mal eben schnell mit IMovie einen verwackelten Anfang oder Schluss abzuschneiden. Musik auswählen, Material sortieren, fluchen, dreiviertel des verwackelten Materials wegschmeißen, schauen, dass die Einstellungen zueinander passen, darüber fluchen, was man alles noch hätte drehen wollen/sollen/können, den übersteuerten Ton retten lassen, fluchen… Da kann die simple Frage des Dozenten „Was hast du denn da gemacht?“ auch schon mal an den Rand des Nervenzusammenbruchs führen. Denn sie könnte ja grundsätzlich bedeuten, dass man irgendwas irreparabel kaputt gemacht hat… und wieder von vorne anfangen muss, was ungefähr dem Weltuntergang gleichgekommen wäre… Aber so weit kam es Gott sei Dank nicht: Erstens hat die Betreuung  gestimmt und irgendwer von denen, die es können, hat den Überblick über acht Ton- und vier Videospuren behalten (und vermutlich nur den Kopf darüber geschüttelt, wie man da schon überfordert sein kann). Und zweitens haben uns die kleinen Pausen zwischendurch, musikalisch unterlegt von einer Mischung aus weihnachtlicher Mariah Carey und Mallorca-Musik, doch immer wieder erheitert und uns gezeigt, dass es auch schlimmer geht. Vom Vertexten will ich jetzt trotzdem gar nicht erst anfangen…

Trotz aller Widrigkeiten hatten wir alle am Ende super Filme und irgendwie ja doch auch Spaß an der Sache. Nicht zuletzt dank Monika, Mike, Tobi, Ingo und dem ein oder anderen Weinchen. Und obwohl wir mehr Input hatten und mehr geflucht haben als in jedem anderen Kurs, war es eine super Woche und hat bei dem ein oder anderen sogar Lust auf mehr gemacht. Ziel also erreicht smiley

Foto: Melanie Ploch