Vom 04.08.2015 -- Anne-Kathrin Ho...
Haben Sie ein paar Kinder für mich?

„Hallo, Anne-Katrin Hochstrat aus der katholischen Rundfunkredaktion des Bistums Mainz, ich hab da eine Frage an Sie.“ Nach dem Satz muss ich zwangsläufig erstmal Luftholen. An manchen Tagen brauch ich ihn mehrfach. So wie diese Woche: Ich habe den tollen Auftrag Kinder zu suchen, die kirchliche Begriffe für die Sommeraktion bei unserem Haupt-Radiosender erklären. Also ein Dingsda-Spiel im Radio. Wird unglaublich süß klingen ist nur echt anstrengend in der Vorbereitung.

Zunächst wirrt da eine Frage in meinem Kopf herum: Woher die süßen Kinderstimmen nehmen? Versammelt trifft man die im Kindergarten. Vor mir ist der Browser offen. Strategisch habe ich schon eine Vorauswahl getroffen: katholische Kindergärten (die machen bei sowas eher mit wenn es für die Kirche im Radio ist), in Hessen (am besten in Süd-Hessen, damit wir während der Sommerferien alle Sendegebiete des hessischen Radiosenders abdecken)und mit der Bahn gut zu erreichen. Ja es gibt wirklich viel zu beachten. Alles im Vorhinein. Für solche Pläne im Programm telefoniere ich mir gerne mal die Finger wund. Und dann kommt mein Standardsatz, manchmal bin ich zu schnell, dann darf ich meine Bandwurmvorstellung wiederholen. Toll ist auch, wenn ich mit dem Telefon durchgereicht werde. Wenn ich dann mal den richtigen Ansprechpartner habe geht es an’s Erklären. Zum Luftholen bleibt da nicht viel Zeit. „Ich bräuchte ein paar Kinder die Kirchenbegriffe für unsere Sommeraktion erklären. Könnten Sie sich das vorstellen?“ Manchmal fühlt sich das dann ein bisschen so an als würde ich in einer Tierhandlung anrufen. Momentan scheine ich auch vom Pech verfolgt. Kindergarten Nummer eins baut gerade um, also nächste Telefonnummer wählen. Kindergarten Nummer zwei hat hauptsächlich Migranten, die könnten das leider nicht so gut und flüssig. In Kindergarten Nummer drei nimmt keiner ab, auch beim vierten Versuch zwei Stunden später nicht. Und endlich Kindergarten Nummer vier. Ich muss zwar nochmal anrufen, weil die Leiterin gerade nicht da ist, aber zumindest abgeneigt scheinen sie nicht zu sein. Am Nachmittag ist dann klar: Ja ich kann kommen, die freuen sich sogar. Bis ich dann da bin um „die Töne einzufangen“, braucht es noch einige Vorarbeit. Was sollen die Kinder eigentlich vorstellen? Taufe, Weihwasser und Turmuhr, ohne die Begriffe zu nennen, in ganzen Sätzen und möglichst bildlich. Mit einem Antwortkatalog im Kopf geht’s dann in den Kindergarten.

Dann ist es soweit die gerade noch so laute Bande wird auf einmal ganz still als ich reinkomme. Vorher noch am rumschreien kommt auf einmal nichts mehr. Das ist schlecht, besonders im Radio. Auch die Kindergartenleiterin wundert sich. Schließlich sitzt hier im Stuhlkreis eine Auswahl an Kindern, denen die Erzieherinnen zutrauen radiogerecht zu antworten. Zusammen mit der netten Erzieherin werde ich zur Animateurin. Eine Stunde später ist es geschafft. So süß das Endergebnis auch später klingt, der Weg dahin ist lang und echt anstrengend. Für beide Seiten: Die Kinder müssen Begriffe erklären und ich muss ihnen die Angst vorm Mikro nehmen, dabei immer freundlich bleiben und ganz genau zuhören.

Und wofür das ganze jetzt? All die Arbeit und Vorbereitung am Ende für vielleicht 30 Sekunden je Begriff. Aber trotz allem bringt es jede Menge Spaß. Gerade wenn das Weihwasser dann so erklärt wird „…das darf man nicht trinken, davon kann man sterben, weil da sind Bakterien drin.“ - Also auch im Kindergarten kann ich noch jede Menge lernen.