Vom 09.07.2015 -- Michael Merten
Auf den Spuren von Jan Hus in Tschechien

Jan Hus zählt zu den beeindruckendsten Persönlichkeiten des späten Mittelalters. Der Magister kritisierte Missstände in Kirche und Gesellschaft. Vor 600 Jahren, im Juli 1415, wurde er wegen seiner Standhaftigkeit auf dem Konstanzer Konzil verbrannt. Als Historiker hat mich dieser Reformator schon immer mehr beeindruckt als sein deutscher Nachfolger Martin Luther. Doch dass ich mich in diesem Jahr ausführlicher mit ihm beschäftigen würde, hatte ich nicht geahnt.

Bereits Ende 2014 kam ich mit Jan Hus in Berührung, als ich den Jahreswechsel wegen des Taize-Treffens in Prag verbrachte. Aus eher touristischem Interesse besuchte ich die Bethlehems-Kapelle, eine der wichtigsten Wirkungsstätten des Reformators. Im Frühjahr 2015 kam dann das Angebot, an einer Pressereise auf den Spuren von Hus in Prag und Böhmen teilzunehmen. Das sind von Tourismusämtern oder anderen Einrichtungen organisierte, spezielle Fahrten für Journalisten.

Im Mai besuchte ich also mit vier anderen deutschen Journalisten Prag, Pisek und Tabor. Drei wichtige historische Orte, an denen Hus wirkte oder seine Nachfolger, die Hussiten. Wir sprachen mit Bürgermeistern, Experten, Fremdenführern und Kirchenvertretern, besichtigten Kirchen, unterirdische Gänge, Türme und Vieles mehr.

Herausforderung: Sich nicht vom Essen und Gesprächsprogramm einlullen lassen

Bei einer solchen Pressereise gibt es eine Herausforderung: Sich nicht von der ewigen Abfolge aus offiziellen Gesprächsterminen, Besichtigungen und gutem Essen einlullen zu lassen, sondern immer wieder zu überlegen: Wo kann ich neue Perspektiven gewinnen, wo komme ich einer Story abseits der üblichen, vorgegebenen Pfade auf die Spur? Denn oft finden sich – völlig außerhalb des eigentlichen Besuchsprogramms – spannende Interviewpartner und Situationen.

Sehr lehrreich war es, mit erfahrenen Kollegen wie dem freien Journalisten Dieter Wulf zusammenzuarbeiten. Mit Akribie und dem Gespür für die richtigen Momente entlockte er den Gesprächspartnern starke Aussagen. Es war beeindruckend, zu erleben, wie er aus stundenlangem Material ein fesselndes 15-minütiges Feature für das Deutschlandradio bauen konnte. Ich selbst konnte sowohl für die KNA als auch für Christ & Welt zwei längere Beiträge schreiben.

Nachdem ich zunächst aus dutzenden Seiten an Notizen das Wichtigste herausgefiltert habe, entstanden die Beiträge: „Ein Land entdeckt seinen Reformator“ (online erschienen bei Domradio, siehe Link) für die KNA. Und „Der bessere Reformator“ für Christ & Welt vom 2. Juli – Tenor: Im Vergleich zu Luther ist Hus der glaubwürdigere Reformator. Dieser Text brachte mir umgehend einen Leserbrief ein, der die historische Rolle Luthers verteidigte.

Und auch meine (in der evangelischen Gemeindearbeit sehr aktive) Tante rief mich umgehend an, um „ihren“ Reformator zu verteidigen. Doch auch Tante Ina konnte ich schließlich von der besonderen Bedeutung des Jan Hus überzeugen.

Hier der Link zum ersten Beitrag:
http://www.domradio.de/themen/%C3%B6kumene/2015-07-06/nach-600-jahren-ist-jan-hus-tschechien-wieder-praesent