Vom 06.01.2015 -- Cornelia Klaebe
Mir könnet alles – außer Hochdeutsch
Maultaschen kannte ich schon vor dem Volo - aber nicht mit Kartoffelsalat

Als Schleswig-Holsteinerin in Schwaben – das ist nicht nur kulinarisch eine Herausforderung. Aber da ich fremde Kulturen liebe, habe ich mich bewusst auf mein Stuttgart-Volo eingelassen. Nach einem guten Jahr habe ich so manche Erkenntnis über das Ländle gewonnen.

„Saget Sie mol: Verstehet Sie mich eigentlich?“ Ungefähr das fragte mich unsere Layouterin in meiner dritten Woche in der Redaktion. Nicht ohne Grund: Die Gute schwätzt breitestes Schwäbisch. Irgendwann fiel ihr auf, dass das für das „Mädele“ aus dem Norden nicht immer so einfach ist. Aber mit manchem Nachfragen und ein wenig Geduld haben wir es immer geschafft. Und am Telefon, wenn ich im Allgäu oder im Schwarzwald anrufe, bemühen sich die meisten Leute doch sehr, wenn sie mein klares, reines Hochdeutsch hören. Bis auf einen Ökobauern einmal, den ich dreimal fragen musste, was er außer Weizen und Dinkel noch so anbaut: „Lin-sen!“, rief er dann in den Hörer. „Schon mal gehört?“ – Ja, dachte ich, aber nicht in Ihrem Dialekt …

Apropos Linsen: Die Sprache ist nicht das Einzige, was an Schwaben eigen ist. Auch das Essen ist teilweise gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile schaudert es mich nicht mehr gar so sehr, wenn auf der Speisekarte „Maultaschen mit Kartoffelsalat“ erscheinen. Aber an „Linsen mit Spätzle“ traue ich mich nicht heran. Manchmal fremdele ich noch immer.

Insgesamt muss ich das Völkchen hier aber sehr loben: Sie sind höflich, freundlich, sauber. Ja, die „Kehrwoche“ existiert, wenn sie auch in meinem Haus ein Hausmeisterservice übernimmt. Sie sind sparsam und fleißig. Das Klischee vom „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ kann ich allerdings so nicht bestätigen: In Stuttgart ist ja gar kein Platz mehr zum Bauen.