Vom 03.02.2015 -- Lisa Mathofer
„Hat der 'ne Jesuskurve?“

Dienstagnachmittag. Planungskonferenz für die nächste Zeitungsausgabe des Kirchenboten. Mit dem Chef und den anderen Redakteuren sitze ich zusammen und lege fest, welche Themen in der nächsten Ausgabe erscheinen. „Ich hab morgen das Interview mit diesem ehemaligen Schornsteinfeger zum Thema Glück“, sagt die Kollegin, die für Osnabrück zuständig ist. „Aha, hat der 'ne Jesuskurve?“, fragt mein Chef. Ich denke zuerst, ich habe mich verhört. Jesus? Kurve? „Jaja, klar“, versichert die Kollegin. „Der ist jetzt Pastor, früher war er halt Schornsteinfeger. Damit kriegen wir die Jesuskurve also hin.“ Ich verstehe. Die Jesuskurve ist also der Aufhänger der Geschichten, damit sie gut begründet in unserer Bistumszeitung erscheinen können.

Ich reflektiere kurz meine bisherige journalistische Laufbahn. Bei der Mülheimer Wochenzeitung musste ich natürlich auch darauf achten, dass die Artikel und Meldungen für die Mülheimer interessant genug sind. Bürgermeisterin begutachtet neues Gymnasium in Mülheim-Broich. Feueralarm im Rhein-Ruhr Zentrum. In der Nachrichtenagentur ging es bei der Auswahl der Meldungen schon etwas härter zu: „Bei Unfällen musst du gucken, ob es nur Schwerverletzte gab oder jemand gestorben ist. In NRW passiert halt viel. Wenn mindestens einer gestorben ist, kannst du es melden.“

Ganz so dramatisch ist es hier in Osnabrück also nicht. Der Themenvielfalt sind fast keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, ich bekomme am Ende der Geschichte noch die (Jesus-)Kurve.